Definition der Organisation

Der Begriff Organisation existiert im deutschen Sprachgebrauch seit 17. 18. / Jahrhundert. Das Stammwort ist das französische „organe“, Organ oder Werkzeug. Organisation ist ein Werkzeug zur Erreichung von Zielen. (Graf-Götz 2002, S 21)

Die Organisation ist schwer zu fassen. Die Evolution hat uns Menschen gelehrt in Kleingruppen zusammen zu leben, eine Familie zu bilden. Friedrich Graf-Götz sieht genau in dieser Tatsache unsere Schwierigkeiten in orgnisationellen organischen Strukturen zu denken. Die Einflüsse einer Organisation sind für die Mitarbeiter oft nicht erkennbar. Neulinge verhalten sich oft wie in einer Kleingruppe, wie in ihrer Familie. (Graf-Götz 2002, S 11)

Grundsätzliche Regeln der frühen Organisation:

  1. Die Zentralperson trifft bei wichtigen Problemen alleine die Entscheidungen für andere (Entscheidungsaxiom)
  2. Die Zentralperson weiß alles und hat immer recht (Wahrheitsaxiom)
  3. Die Zentralperson wird als Autorität anerkannt und vermittelt bei Konflikten (Weisheitsaxiom).
  4. Die Zentralperson herrscht über die anderen (Dependenzaxiom)

(Graf-Götz 2002, S 21 nach G. Schwarz (1995)

Zu Beginn hatte die Organisation mit Macht und Herrschaft zu tun. Die erste Phase der industriellen Entwicklung in den Jahren 1840-1890, brachte auch die ersten Auseinandersetzungen mit der Thematik der Wirtschaftsorganisation.  Fragen zum Aufbau und der Führung der neuen Industriebetriebe standen dabei im Vordergrund.  Es ging vor allem um Regelung der Arbeitsverteilung, Informationsweitergabe und Hierarchisierung (ebd. S. 22)

Durch die Veränderungen der Märkte, durch Sättigung und große Konkurrenz, fing man an die statischen Ordnungssysteme abzubauen. „Die Entwicklung zeigt deutlich, dass eine zentrale Planung und Steuerung hoffnungslos überfordert ist. In der Organisation arbeitende Menschen sollen mitdenken und all ihr Können und ihre Kreativität zur Verfügung stellen.“ (ebd.)

„Die Entstehung von traditionellen Organisationen führte zu zwei wichtigen Durchbrüchen: Organisationen können nun kurz- und langfristig planen und sie sind in der Lage, Organisationsstrukturen zu schaffen, die stabil sind und wachsen können.“ „die ersten großen Unternehmen der industriellen Revolution arbeiteten nach diesem Schema. Traditionelle Organisationen gibt es auch heute noch: Die meisten Regierungsorganisationen, öffentlichen Schulen, religiöse Institutionen und das Militär werden nach konformistischen Prinzipien und Praktiken geführt.“ (Laloux 2014, S 19)

Die Organisationen wie sie heute noch zu finden sind, sind geschichtlich gesehen ein sehr junges Phänomen. Erst mit der Industrialisierung ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde es für Unternehmen wichtig die Ressourcen zu organisieren. Laloux zeigt in einer Zeitachse  auf, auf der die Evolution immer schneller zu sein scheint und er glaubt sogar, dass wir noch eine oder sogar zwei Stufen nach der Postmoderne in unserer Lebenszeit noch erleben werden. (vgl. Laloux 2014, S 35-37).

„Zweifellos befinden wir uns mitten in einem tiefgreifenden Strukturwandel, vergleichbar der Einführung von Dampfmaschinen und der Elektrifizierung. Nach der Industrialisierung, Automatisierung und Globalisierung ist es nun vor allem die Digitalisierung, die unsere Lebens- und arbeitsweise beeinflusst.“ (Rorsted 2015, S 104)

Laloux zeigt in einer groben Übersicht der gegenwärtig agierenden Organisationsmodelle auf, aus dem sich ein neues Modell entwickeln könnte.

Stark verallgemeinert kann man behaupten, dass tribale impulsive Organisationen zwar noch existieren, jedoch meist in der dritten Welt Ländern zu finden sind. Dagegen finden wir bei uns in Österreich noch die traditionelle konformistische Organisation neben der weit verbreiteten modernen leistungsorienteierten Organisation, die „die vorherrschende Perspektive  der Wirtschaftsunternehmen von der Wallstreet bis zu Kleinunternehmen,“ ist. „Postmoderne pluralistische Unternehmen sind zunehmend auf dem Vormarsch, nicht nur unter gemeinnützigen Organisationen, sondern auch in der Wirtschaft.“ (Laloux 2014, S 36)

 

Quelle:

Graf-Götz Friedrich: Neue Wege und Konzepte für Organisationsentwicklung und Selbstmanagement. Beltz Verlag. 2002.

Laloux Frederic: Reinventing Organisations: ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit. Vahlen, München, 2015.
Persönliche Anmerkung: Ich kann dieses Buch wirklich jedem empfehlen!

Rorsted Kasper: Aus Konsumgüterunternehmen werden Real Time Enterprises, in: Becker, T. & Knop, C. (Hrsg.): Digitales Neuland, Wiesbaden, 2015.

 

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